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Spuren der Vergangenheit – Besuch der Gedenkstätte Gusen

Von Maria Lederer: 

Ein einfacher Kamm, nicht einmal ein wunderschöner, einfach ein Kamm. Was ist daran so besonders? Die Fingerabdrücke? Die zurückgebliebenen Haare? Vielleicht der Staub? Ja, denn das Besondere daran ist die Geschichte. 

Ein Kamm. Für viele Teil des Alltags, für manche ein Privileg und in diesem Fall, etwas Zurückgebliebenes, etwas Vergessenes, wie so vieles aus seiner Zeit, der Nachlagerzeit. 

Jeden Morgen, jeden Abend wurde dieses rote, unscheinbare Stück Plastik verwendet und schließlich vergessen. Ob er jemals von seinem ehemaligen Besitzer gesucht oder vermisst wurde? Das weiß niemand. Und wer der Besitzer war, wird für immer ein Rätsel bleiben. War es eine Frau, die diesen Kamm zurückließ? Oder doch ein Mann? War es ein Kind? Vielleicht so alt wie jemand von uns?  

Der Kamm wurde in einem Haus mit noch viel mehr Geschichte gefunden, nämlich in einer ehemaligen SS-Baracke. Nach dem Krieg ganz billig als Wohnhaus verkauft, um die Opfer des Nationalsozialismus, die in diesem Haus einst lebten, zu vertuschen. Hauptsache nicht gedenken. Hauptsache nicht erinnern. 

Wer würde hier wohnen wollen? Ganz einfach, jemand der sich sonst nichts leisten konnte, jemand der womöglich hoffte, es wäre nur für kurze Zeit, jemand der sonst keine andere Möglichkeit hatte. Und das ist das Einzige, was wir von dem Besitzer dieses Kammes wissen, er wollte hier nicht sein, genauso wie tausende Menschen zuvor. 

 

Von Mavie Kilbertus: 

Der Kaffee ist kalt. Kalt, wie das Schweigen, das in dunklen Wolken über dem Land schwebt. Die Erinnerungen so laut, die Vergangenheit so nah. Die Zeit kann nicht zurückgedreht werden, egal, wie sehr man versucht, sie zu verdrängen, in eine dunkle Ecke zu schieben und nie mehr hinzusehen.

Grobe Hände halten die fragile Tasse, als könnte sie jede Sekunde zerspringen. Was haben diese Hände verbrochen, wie viel unschuldiges Blut klebt an ihnen? Wo verläuft die Grenze zwischen Opfer und Täter, wenn Widerstand zwecklos erscheint? 

Heiß und dampfend trinkt man den Kaffee heute, mit viel Zucker und Milch. Aber nie darf vergessen werden, wie er damals verteilt wurde: Ersatzkaffee ohne Koffein und ohne Geschmack. Ohne Erinnerungen an das frühere Leben und ein Zuhause. 

Deshalb dürfen die Erinnerungen niemals verblassen, die Geschichte nicht in den Hintergrund rücken, und der Kaffee nicht kalt werden.

 

Von Sophie Hofstätter:

Ein alter, rostiger Gewehrrohling. Ein geformtes Stück Metall. Ein einfaches Ding, woran so viel Blut klebt. Ein einfaches Ding, das so viele Menschenleben beendete. 

Hergestellt von Häftlingen. Menschen, die unter unvorstellbaren Bedingungen ums Überleben gekämpft haben. Menschen, die jeden Tag aufwachten und wussten, dies könnte ihr letzter sein. Menschen, die genau wussten, dass die Teile, die sie gerade herstellen, bald ihren Tod bedeuten könnten. 

Gebaut, um die Mächtigen noch mächtiger und die Schwachen noch viel schwächer zu machen. Gebaut, damit die Häftlinge ihre Zwangsarbeit verrichten. Mit jedem gebauten Gewehrrohling verloren viele Menschen ihr Leben. 

Ein so unscheinbares, fragiles Stück Metall. Das für so viele Tode und so viel Schmerz verantwortlich ist. Ein so altes Ding, das niemals hätte erschaffen werden dürfen, und doch liegt es jetzt hier.